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Zauberland – Das Reich der Musikanten

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(Sommer, 2005)

 
Jenseits der Welt der gewöhnlichen Dinge, der Städte und Straßen, der Autos und Maschinen, der Digitaluhren, Fahrscheinautomaten und Imbissketten, existiert eine zweite Welt, anders und herrlich, voller Liebe und Glück, deren Bewohner man gemein als ‚Musikanten‘ bezeichnet. Dies ist die Geschichte ihres Reichs.

In jenem zauberhaften Land der Musikanten funktioniert das Leben nach anderen Mechanismen, als es die Menschen der normalen Welt aus deren Alltag gewöhnt sind. Es gibt keine Probleme, keine Schmerzen, kein Leid und keinen Kummer. Die Sonne scheint einfach immer und nie verdunkeln düstere Wolken den Himmel. Alles ist permanent erleuchtet von tausend Regenbögen, funkelnde Kristalle erhellen die Wege und die Luft ist erfüllt mit einem Duft von Blumen und Glückseligkeit.

Niemals fällt Regen, weshalb keiner der Musikanten jemals eine Regenjacke benötigt. Überhaupt steht jeglicher weltlicher Besitz zur Disposition und wird im Großen und Ganzen als Luxus und verderblicher Ballast angesehen, als fraglich, überflüssig, womöglich sogar als verwerflich. Die Musikanten brauchen wenig bis gar nichts, zumindest an materiellen Besitzes. In Folge dessen ist ihre Währung eine andere und gänzlich verschieden. Ihre Häuser sind aus Träumen gebaut und ihre Nahrung besteht aus Liebe und schönen Ideen. Wo ein Arbeiter auf einen gewissen Stundenlohn bestehen muss, um seine weltlichen Verpflichtungen erfüllen zu können, beispielsweise das Bezahlen von Rechnungen oder die Versorgung seiner Familie, nährt sich der Musiker vom Applaus des Publikums und vom lieblichen Klang des Lachens der Kinder. Seine Skala ist schlicht eine andere. Er kennt nicht die Last der Verantwortung, bleibt stets frei und ungebunden, wie ein Vogel im Himmel.

So wachsen ihre Körper zu großen und starken Titanen und Titaniden heran, modelesk und unverwundbar, weil sie nicht von den synthetischen Giftstoffen der Industrie und der Wirtschaft berührt werden. Sie benötigen keine Krankenversicherungen, denn es gibt in ihrem Reich keine Krankheiten. Die wenige Kleidung, welche sie besitzen, dient lediglich zur Bedeckung ihrer Scham, denn das Klima ist stets angenehm warm und eine modische Selbstinszenierung wäre ihnen unangemessen. Zu gerne stellen sie ihre vollkommenen, athletischen Körper zur Schau, wandeln in einer ständigen Aura pulsierender Erotik, als ständige Verheißung des leidenschaftlichen Geschlechtsverkehrs, welchen sie unablässig praktizieren. So fristen sie ihre Tage in nicht endenden Orgien, wilden Drogenexzessen und ständigem Rausch, stets in der Erfüllung ihrer Berufung, des richtigen Tons und der lieblichen Melodey, voller Freude und Unschuld.

Ihre Sprache ist sinnfrei und unverständlich, dennoch scheinen ihre Besuche den grauen Alltag der normalen Welt in einer rational nur schwer erfassbaren Weise zu befruchten und zu bereichern, und man ruft sie zu gern ihre Kunst und ihr Wesen zu teilen, um zu erfreuen, zu bezaubern und zu unterhalten. Gene belohnt man sie dafür in der weltlichen Währung, wenn auch nur symbolisch und in geringem, leicht verschmerzbarem Umfang, da Geld für sie ohnehin keine Bedeutung hat. Die Musikanten wissen für gewöhnlich auch mit jenem symbolischen Obulus nicht umzugehen, zeigen sich wenig dankbar und geben das Erhaltene ebenso schnell wieder hinfort, wie sie es verdienten. Doch wie sollten sie auch ein Gefühl für den Wert von Geld, welches üblicherweise durch Quotienten von Arbeit und Zeit erwirtschaftet wird, erlangen, wo sich doch ihr Leben und ihre Welt von Schwärmerei und Poesie speist? Die Sorgen von hart arbeitenden Menschen sind ihnen fremd, denn sie wandeln auf einer Wolke der Sorglosigkeit und betten sich in ein Blumenmeer herrlicher Phantasien, getragen von der grenzenlosen Allmacht der schönen Künste.

Der Gram über hohe Benzinpreise ist ihnen fremd, denn sie besitzen keine Autos, sondern reiten auf Einhörnern oder Pegasoi. Niemand belästigt sie mit Forderungen nach Steuerrückzahlungen oder Rundfunkgebühren, denn die Ordnung ihrer Welt speist sich aus der Liebe in der Luft und für die essentiellen bürokratischen Strukturen hiesiger Art fehlt ihnen schlicht der zum Verständnis notwendige Hirnlappen. Die erdrückende Last von nur schwerlich begleichbarer Schulden ist ihnen gänzlich unbekannt, den es gibt nichts im Reich der Musikanten, was nicht mit einem Kompensationsgeschäft durch einen satirischen Vers oder eine leidenschaftliche Rhythmisierung zu begleichen wäre. Kapitalistisches Streben, die Anhäufung von Reichtum, die Vorsorge für das Alter, alles Kategorien ohne Belang, ohne Relevanz, welchen man im Reich der Musikanten nur mit einem müden Gähnen begegnet. Weniger spannend als Euphorie, Ekstase und von Schweiß glänzende, erigierte Penisse und von Erregung und Fruchtbarkeit tropfende Vaginas, wie Diskurse um existentielle, philosophische Fragen zur Preisung und Verehrung eines wahren und endgültigen Hedonismus.

Uns, die wir in der realen, echten und natürlichen Welt der Dinge leben, scheinen jene Geschöpfe und ihr eigenartiger Kosmos befremdlich, mit unter sogar beängstigend und unsere Ordnung gefährdend. Ihre Lebensart stört unseren Frieden und droht unsere Gesellschaft zu unterwandern, unsere Jugend zu verführen und unsere sozialen Kassen zu schröpfen. Wir genießen die Besuche der Musikanten, doch ersehnen nach der Ausgelassenheit des Festes ihre baldige Rückkehr und danken Gott für jedes unzerbrochene Glas, jede ungeschwängerte Tochter und allgemein jede ungeschehene unschöne Spur des ausländischen Besuches. Das gestillte Verlangen nach Andersartigem möge eine Weile anhalten und jene derweil fernbleiben, um die Ablenkung von tatsächlich Wichtigem zu vermeiden.

Unsere klügsten Wissenschaftler haben aus diesem Grund eine Technologie entwickelt, welche es uns erlaubt, den Glanz des Reiches der Musikanten in unsere Welt einzulassen, wobei es gleichzeitig einer physischen Präsenz ihrer Bewohner nicht länger bedarf. Kleine mechanische Englein, wunderwerke modernster Ingenieurskunst, von leistungsstarken Supercomputern gesteuert und von superfunktionsfähigen Mikroreaktorbatterien betrieben, saugen den Musikanten ihren kostbaren Lebensquell aus den kreativen Knochen und tragen ihn durch die Lüfte über die Grenze der beiden Reiche zu uns. Der gelieferte Rohstoff wird in speziellen Raffinerien angereichert und zur perfekt dosierten Abgabe an unsere anständigen Staatsbürger aufbereitet und portioniert. In seiner raffinierten Form haben wir der Substanz die technische Bezeichnung „C234-F“ gegeben. Die empfohlene Dosierung basiert auf Werten der berühmten soziologischen Studien unseres verehrten Doktor Loews, welche den durchschnittlichen Konsumenten in angemessenem Maße stimulieren, ohne dabei eine grundlegende Verschiebung seiner Arbeitsparameter zu bewerkstelligen. Aktuelle Werte belegen die glänzende und reibungslose Funktionsweise unserer Technologie, eine beispiellose Effizienz hinsichtlich der importierten Güter, bei gleichzeitig minimalen Nebenwirkungen oder gar schädlichen Begleiterscheinungen und die damit erlangte Autarkie unseres herrlichen Reiches.

Nach jener empirisch-belegten Feststellung haben wir damit begonnen die Grenzen unseres Reiches zu sichern und gegen zukünftige Besuche aus dem Reich der Musikanten abzuschotten, um den Mechanismus weiter zu optimieren, sogar perfektionieren. Mit Mitteln des Verteidigungsetats wurde ein unüberwindbarer Grenzwall aus extrem widerstandsfähigem Nanoteflon errichtet, vollautomatische Laserraketen-Selbstschussanlagen schützen den Sicherheitsbereich und eine eigens abgestellte Spezialeinheit unserer Truppen überwacht und kontrolliert zusätzlich den gesamten Grenzbereich, womit jegliche unkontrollierte Immigration unmöglich gemacht wurde. Die Zahlen sprechen bereits die deutliche Sprache des Erfolges und das Parlament lobt die Maßnahmen des gesamten Projektes mit wohlwollenden Worten.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die eingesetzten Ernteflugdrohnen nun bereits nach wenigen Monaten im Einsatz eine sinkende Gewinnspanne des geförderten C234-Fs verzeichnen. Der Ertrag entwickelt sich rückläufig hinsichtlich der Quantität, wobei gleichzeitig die benötigte Zeit zur Gewinnung der Substanz steigt. Wie wir aus Daten unserer Aufklärungsdrohnen wissen, liegt die Ursache hierfür an einer ebenfalls rückläufigen Entwicklung der Lebenserwartung jener Musikanten, von welchen wir die Substanz gewinnen. Jene Entwicklung mag zunächst alarmierend anmuten, doch unsere Spezialisten haben uns versichert, dass die geförderte Menge an C243-F bei konstanter Dosierung mit aller Wahrscheinlichkeit noch mindestens bis ins Jahre 2021 zur stetigen Versorgung unserer Bevölkerung ausreichend sein wird, bevor der nicht mit Garantie zu erwartende Fall eintritt, dass bis zu diesem Zeitpunkt tatsächlich alle Musikanten gestorben sind und infolgedessen die Rohstoffgewinnung zum Erliegen kommt. Hierbei handelt es sich um hypothetische Hochrechnungen basierend auf aktuellen Zahlen, wobei deren konstante Entwicklung erst noch beobachtet werden muss.

Unsere Wissenschaftler haben jedoch bereits erste Erfolge bei der Synthetisierung von C234-F und dessen gentechnischer Reproduktion im Labor erzielt. Die Prognose der Fertigstellung einer einfach zu reproduzierenden und kostengünstigen, künstlichen Alternative zum Wirkstoff C234-F bis zum Jahre 2021 scheint unseren Spezialisten durchaus realistisch und würde somit auch die zukünftige Versorgung der Bevölkerung sicherstellen. Ob mit dem Synthetikum jedoch vergleichbare Effekte erzielt werden können, muss allerdings erst durch Versuchsreihen in der Praxis ermittelt werden.

(gezeichnet: Oberst Kahn, Sprecher der Republik)

 
 



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Cum Poetri.

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Wenn zu Beginn des Tages
alles schon riecht nach Hades
Innereien von Gedanken
ganz elendig erkranken
Dein Seien siecht und west
verschimmelt, wo du stehst
dann sei kein Dieter Nuhr
und wage die Zäsur!

(Gut gemeinter Rat, 2015)

 
 

Ein Mann las in der Bahn
in einem kleinen Buch
doch war ganz offensichtlich
darin ein rotes Tuch

beinah‘ nach jedem Satze
blickte er fragend auf
als nähme die Geschichte
einen kryptischen Verlauf

Sein Blick war tief bedenklich
erschüttert und verstört
als wenn ein‘ jede Zeile
Welt erschafft und Welt zerstört

Geheim bleibt die Lektüre
wie deren Zauberei
Wir erreichten einen Bahnhof
die Reise war vorbei

(Wahre Geschichte, 2015)

 
 

Kunst ist schön.

Wer Kunst hat, hat mehr Zeit.

Kunst macht selbstbewusst.

Kunst kann trösten, retten, ablenken, aufbauen, stärken, helfen, versüßen, verzaubern, erfüllen.

Kunst kann verbinden, vereinen, verewigen.

Kunst macht glücklich.

Manche Menschen bezahlen für Kunst.

Kunst ist nie umsonst.

Manche Menschen leben von Kunst, manche leben von der Kunst anderer.

Kunst verkauft Shampoo und Abonnements.

Kunst funktioniert.

Kunst kann Routine werden oder Zwang oder Schlimmeres.

Kunst ist Macht.

Kunst kann süchtig machen.

Kunst kann scheitern, frustrieren, provozieren, verärgern, verzweifeln, verderben, unterwerfen, demütigen.

Kunst kann weh tun.

Kunst kann dein Leben zerstören.

Kunst kann dein Leben retten.

Kunst kann alles verändern.

Kunst könnte der Sinn des Lebens sein, denn alles Leben entsteht aus Kunst.

Kunst erschafft Kunst,
erschafft Kunst,
erschafft Kunst.

Voll meta.

(Liebe, 2015)

 
 

Es war mir einst nach Stille
nach Ruhe vor dem Ich
denn Sein in seiner Fülle
war laut und widerlich

So suchte ich den Trubel
mich im Strome zu verlieren
den Sog der Lichter Strudel
um im Nichts zu existieren

Ich nahm die Hand vom Steuer
senkte meinen Blick
war ohne Ziel und Richtung
und mein Dasein fiel zurück

Im flimmernden Getöse
wo jedes Teilchen fluktuiert
verschwammen die Gedanken
waren automatisiert

Doch in der Tiefe des Darinnen
kam es, dass der Nebel wich
und mit heimkehrenden Sinnen
gewahr ich letztlich: mich

(Selbstversuch, 2015)

 
 

Ich wär‘ gern dein Freund
denn ich mag dich sehr
doch dein Freund zu sein
fällt mir wahnsinnig schwer

Es quält mich die Hoffnung
Ich erwarte zu viel
für mich ist es Leiden
für dich ist es Spiel

Du kannst mich haben
doch nimm mich gleich ganz:
meine Liebe, mein Herz,
mein Arsch und mein Schwanz

(Zone der Freundschaft, 2015)

 
 

Seit einem Jahr hatte ich bereits kein Wasser getrunken.

Man gab mir ein bescheiden befülltes Glas und wies mich an, dessen Inhalt für eine gewisse Zeit im Inneren meines Mundes zu verwahren.

Ich tat, wie mir geheißen, widerstand dem Drang, welcher mich an den Rande des Wahnsinns zu führen drohte, und es war kein Tropfen meine trockene Kehle hinunter gewandert, als ich das Glas zurückgab.

Man lobte meinen starken Willen und ich starb.

(Abstinenzversprechung, 2015)

 
 

Quietschigste Blume
des Frühlings erblühend
reifend, erstarkend
vor Lebenslust glühend

Sich erhebend, sich reckend
gen Gott und der Welt
wider Würmern und Schnecken
ihr Antlitz tapfer sich stellt

Das Herz wird mir schwer
Es rührt mich gar sehr
Würd‘ gern in der Vase sie sehen

Doch von Entwurzelung droht
Gewiss ihr der Tod
Drum‘ lass ich sie wehmütig stehen.

(Campanula Patula, 2015)

 
 



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DIGITAL HEADING

Posted on by bs

Maximierte Effizienz, durch Arbeitsteilung
(Illustrativer Text zu bildnerischen Arbeiten)

Bevor Sie etwas sagen, lassen Sie mich die Sache erklären. Sie mögen skeptisch, befremdet, vielleicht sogar verständnislos reagieren, aber ich werde mein Bestes geben, es Ihnen zu erklären, und den Versuch unternehmen, Sie zu begeistern.

Fühlen Sie nicht auch die Last der fleischlichen Beschränktheit?

Aller irdischer Geist ist an die Begrenztheit seiner schwächlichen Körperlichkeit gefesselt. Die Gewichtigkeit der Materie behindert den freien Geist in seiner ungehemmten Entfaltung und schränkt ihn ein, in seinem Drang die Grenzen physikalischer Hindernisse zu überwinden. Nach der Feststellung jener unbefriedigenden Sachlage artikuliert sich der Wunsch nach einer Befreiung des Geistes und seiner Emanzipation von der Schwere des Fleisches.

An dieser Stelle möchten wir Ihnen unser Produkt vorstellen.

Sie mögen sagen, das Problem ist altbekannt, doch nicht zu lösen. Oder gar es handelt sich um eine Ur-Eigenschaft des menschlichen Seins, welche untrennbar mit der Eigenart des Menschseins verknüpft ist, folglich deren Lösung den Menschen seiner Menschlichkeit beraubte? In diesem Sinne mögen Sie vielleicht sogar sagen, das System von Geist und Körper ist gar kein Problem?

Lassen Sie mich trotzdem auf unser Modell eingehen und Sie von unserem revolutionären Konzept überzeugen. Ich verspreche Ihnen, am Ende meines Vortrages werden Sie diesen Raum inspiriert, mit erweitertem Horizont verlassen. Lassen Sie mich Sie einführen in die Welt des Digital Headings.

Das Problem wurde analysiert und die Lösung ist technischer Natur.

Bei der Geschichte der technologischen Entwicklung handelt es sich zu großen Teilen um einen fortschreitenden Prozess, der Abspaltung des omnipotenten Geistes von seinem trägen Körper. Ich denke dabei sowohl an frühe und moderne Kommunikationsmedien wie Buchdruck, Telegraphen oder das Internet, sowie an mechanische Erfindungen wie das Rad, das Automobil und dergleichen. Alle jene Errungenschaften dienen der Beschleunigung des menschlichen Geistes und die Menschheit hat auf diesem Wege bereits große Erfolge verzeichnet.

Nun ist es an der Zeit mit unserer bahnbrechenden Digital Heading Technologie den letzten Schritt auf diesem Weg zu beschreiten und damit eine neue Ära des freien Geistes einzuleiten.

Das Schlüsselwort ist „Nano-Quanten-Transporting“.

Hinter diesem Terminus Technicus verbirgt sich das Ergebnis Jahrzehnte langer, wissenschaftlicher Laborforschung und es handelt sich grob gesagt, um die digitalisierte, delokalisierte Komplettierung organischer Systeme.

Mit Hilfe von technischen Schnittstellen werden die organischen Funktionskreisläufe, wie beispielsweise der Blutkreislauf oder die Nervenströme in eine Art Nano-Quanten-„Code“ transformiert, also in frei übertragbare digitale Information umgewandelt und so die freie Demontage des menschlichen Organismus ermöglicht.

Die Möglichkeiten sind grenzenlos!

Durch einen kleinen chirurgischen Eingriff befreien wir Sie von der Last Ihres Körpers. Unter Vollnarkose werden mit Hilfe von vollautomatisierten Präzisionslasern die Verbindungen zwischen Kopf und Körper durchtrennt und die technischen Schnittstellen mit unserer NQT Technologie implantiert, konfiguriert und initialisiert.

Wenn Sie aus der Narkose erwachen eröffnet sich Ihnen eine neue Welt.

Stellen Sie sich nun folgende praktischen Anwendungsszenarien vor: Der Rasen muss gemäht, das Geschirr abgespült und das Baby gewickelt werden. Sie würden allerdings viel lieber Ihre E-Mails abrufen, Ihren Community-Status aktualisieren oder Ihr Lieblings Online-Rollenspiel starten? Mit DIGITAL HEADING müssen Sie sich nicht mehr entscheiden, Sie können alles tun.

Überlassen Sie die lästige Hausarbeit doch einfach Ihrem Körper.

Mit Hilfe Ihres Körpers platzieren Sie Ihren Kopf auf den im Paketumfang enthalten HeadHUB, welcher per USB Steckverbindung mit Ihrem Computer verbunden ist. Modernste Sensoren lassen Sie nun Ihren Computer allein mit der Kraft Ihrer Gedanken bedienen, ohne antike Bedienelemente, wie Maus oder Tastatur. Ihren Körper schicken Sie los, die unliebsame körperliche Arbeit zu verrichten. Totale Kontrolle via NQT Technologie.

Wie Sie sehen sind praktischer Nutzen und Zeitersparnis grandios und entkräften jegliche Kritik.

Oder stellen Sie sich vor, während Sie im Büro arbeiten, arbeitet Ihr Körper zuhause im Garten. So bleibt er gesund und braungebrannt und der heimische Garten kann sich wieder sehen lassen. Oder Sie schicken Ihren Körper zur Arbeit in einen Zweitjob – und verdienen doppelt!

DIGITAL HEADING ist die Technologie der Zukunft. Vielleicht verdient Ihr Nachbar mehr, weil er sich bereits für unser Produkt entschieden hat. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit und profitieren Sie, als einer der Ersten!

DIGITAL HEADING – Maximierte Effizienz, durch Arbeitsteilung.

Nun am Ende meines Vortrags hoffe ich natürlich ich konnte Sie überzeugen und für unser Produkt gewinnen. Sehen Sie die Chancen die Ich in dieser Technologie sehe. Verstehen sie die unglaublichen Möglichkeiten die sich auftun. Erleben Sie die Zukunft im 21.Jahrhundert.

D I G I T A L H E A D I N G

Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit haben wir leider kein Zeitfenster übrig für Rückfragen Ihrerseits. Wenn Sie Fragen haben, dann lesen Sie unsere Broschüre, besuchen Sie unsere Internetseite oder nehmen Sie an einem der zukünftigen Vortragstermine teil.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Applaus)

 

Herr K. konnte sich an jedes Wort erinnern. Die Stimmung im Saal war phantastisch gewesen. Begeistert hatten er und die anderen Zuhörer dem Referenten zugehört und als er seinen Vortrag beendet hatte, war er unter tosendem Applaus von der Bühne gegangen.

Beflügelt von der Euphorie im Raum hatte er sich gleich zu einer Operation gemeldet. Er kannte das Problem des beschränkten Geistes zu gut und war es Leid. Das Konzept schien die Antwort auf die Probleme seiner Zeit und verkündete den Aufbruch zu einer besseren Zukunft. Herr K. folgte dem Ruf.

Nun saß er da und hatte tiefe Trauer in den Augen.

Wo war der Fehler gelegen? Er wusste es nicht, er hatte das Handbuch nicht gelesen. Aber vermutlich war auch im Handbuch nichts dazu zu finden. Viel musste man nicht wissen, es war alles einfach. Benutzerfreundlich, Plug & Play, Keiner liest Handbücher.

Aber irgendwas funktionierte nicht. Sein Körper saß auf dem Bett und sah ihn kopflos an. Herr K. konnte ihn sehen, aber er spürte ihn nicht mehr, wie es die DH Technologie ihm doch ermöglichen sollte. Was hatte er falsch gemacht? Er wusste es nicht.

Herr K. sah sich selbst sitzen. Sein Körper saß am anderen Ende des kleinen, dunklen Zimmers auf dem Bett, während er, also sein Kopf, auf dem Tisch vor dem Computer lag. Jegliche Verbindung schien gekappt. Er konzentrierte sich, unternahm ein weiteres Mal den Versuch seinen Gliedern zu befehlen, doch vergebens. Keine Reaktion, nur der traurige, kopflose Blick. Hängende Arme, leere Hülle.

Es musste etwas schief gegangen sein, als er andocken wollte. Er, oder besser sein Körper, war vermutlich über irgendetwas gestolpert, als er gerade behutsam den Kopf auf den HUB legen wollte, hatte das Gleichgewicht verloren und das Unglück geschah.

Es hatte einen lauten, dumpfen Schlag getan, dass ihm der Kopf schwirrte. Der Aufprall hatte genau die Schnittstelle seiner NQT Mechanik getroffen, seine Neurotransmitter hatten einen kurzen Moment verrück gespielt, danach war es still. Es war kurz so gewesen, als könne Herr K. jede einzelne Zelle seines Körpers so deutlich fühlen, wie niemals zuvor. Danach spürte er nichts mehr.

Perplex musste er daraufhin mit ansehen, wie sein Körper scheinbar unter Schock, alter Gewohnheit folgend, aufstand, komischerweise einen kurzen Moment wirkte, als würde er sich im Zimmer umsehen, und dann zum Bett ging, wo er sich setzte. „Konditionierte Mechanismen“ vermutete der Kopf von Herrn. K, während er sich dem Ernst der Lage scheinbar noch nicht bewusst war.

Die NQT Technologie ermöglichte nicht nur die Befehligung des eigenen Körpers, sie verband Herrn K. auch mit seinen lebensnotwendigen Organen. Alles wurde in Code umgewandelt, digitalisiert, und dann transferiert. Da er immer noch lebte und sich darüber Gedanken machte, konnte die Verbindung nicht komplett abgerissen sein. Ganz ohne atmende Lungen, ein schlagendes Herz, einen Puls, ohne Blutzirkulation wäre er wohl schon nicht mehr bei Bewusstsein. Er wäre längst nicht mehr am Leben. Er wäre tot.

Aber wenn die Schnittstellen beschädigt waren, wie lang würden sie noch funktionieren?

Herr K. befand sich in der traurigen Situation eines vollkommen hilflos Wartenden. Er wartete auf sein Ende. Krampfhaft sann er nach einer Lösung, einem Ausweg. Was sollte er tun? Faktisch gab es nichts das er hätte tun können. Denken und Warten, darauf war sein Handlungsspektrum reduziert worden. So wartete er und dachte.

Was nutzt der unartikulierte Gedanke?

Herrn K.’s kopfloser Körper blickte melancholisch vom Bett herüber. Er schloss die Augen und eine Träne rann über seine Wange. Er konnte sein Gesicht bewegen. Die Erkenntnis traff ihn, wie ein Schlag. Lange hatte er nicht gesprochen, doch jetzt war die Zeit gekommen seine Stimme zu erheben und er setzte zu einem lauten, verzweifelten Hilferuf an: “HHHIIILLLFFFF…“.

Niemand hatte seinen halben Hilferuf gehört. Niemand war nahe genug gewesen, um mitzubekommen, wie sein Schrei noch vor der zweiten Silbe verendete. Die Anstrengung musste dem NQT den Rest gegeben haben. Zuviel Information, zuviel Anspannung für ein beschädigtes Gerät. Das Signal versiegte und Herr K. war tot.

 

(Stille)

 

Mann in Appartement leblos aufgefunden

In der Nacht zum vergangen Dienstag wurde der Leichnam eines Mannes in seinem Zimmer von Beamten der Polizei aufgefunden. Nachdem der Mann offensichtlich seiner Arbeit nicht mehr nachgegangen und auch nicht erreichbar gewesen war, hatte sein Arbeitgeber die Polizei verständigt. Nach ergebnislosem Klingeln und Rufen hatten sich die Beamten gewaltsam Zugang zur Wohnung verschafft und dort den bereits Tage zuvor Verstorbenen, in seinem Arbeitszimmer vor seinem Computer aufgefunden.

Mit Ausnahme kleinerer Schürfwunden wurden keine äußeren Verletzungen festgestellt, so dass ein Gewaltverbrechen vermutlich ausgeschlossen werden kann. Klarheit über die Todesursache soll eine medizinische Untersuchung des Leichnams bringen. Die Ermittlungen dauern an.

 

(work comes out of work, 2009)



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Postulat #41

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Deine Fehler
die sind echt,
drum gilt der Satz
’normal ist schlecht‘.

 



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Bruder.

Posted on by admin

Eine Nachricht, eine Zeile
vielleicht ein Anruf wäre fein
weil man ja nun schon eine Weile
nichts hört vom Brüderlein

Das Handy noch im Orient
das Zimmer nicht bezogen
der Broterwerb schwer ungeklärt
der Vater macht sich Sorgen

Geh deinen Weg auch weiterhin
auf dass du einmal findest
was dein ist, doch sei auf der Hut
dass du mir nicht verschwindest

Wo immer du auch seien magst
was immer du auch treibst
ich hoffe doch es geht dir gut
und dass du mir mal schreibst.

(München, 2011)

 
 



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Wissen

Posted on by admin

Zu wissen,
dass man nichts weiß,
erfordert eine nicht unerhebliche Menge Wissen,
lieber Sokrates.

 
 



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Mensch sein.

Posted on by bs

 

Mensch sein.

Mensch sein
Mensch werden
trinken und rauchen
sich schlagen.

Rote und blaue Flecken
kämpfen und verlieren
sportlich bleiben
hinken.

Leben lernen
Das Gehirn zuhause lassen
Musik hören und tanzen

Dich küssen.

Mensch werden
Mensch sein
Darüber nachdenken
lächeln.

 
 
 



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Formlos

Posted on by bs

Wie deine Augen leuchten
wenn sie tief in mich blicken
verzaubert mich auf eine kitschige Teeniefilmart und Weise
mir ist schlecht, ich möchte kotzen.

Was dein Lächeln bewirkt
wie ich mich plötzlich Dinge sagen höre
unbeholfen und klein, ein leidiges Trauerspiel
auf das komischste aufschneiderisch.

Krankhaft infiziert, aber heilbar
vielleicht kann ich dich vergessen
aber will ich denn?

Guck, meinen Stolz hab ich hinter mir gelassen
lass mich dich selbstlos lieben
aus mich mich mich wird dich dich dich
sehe dich, berühre dich, rieche dich

auf dem Boden ist es am schönsten.

 



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Das Kabinett des Grauens

Posted on by bs

Sehr geehrte Frau Doktor Merkel,

Wir treten mit einem vielleicht etwas ungewöhnlichen Anliegen an Sie heran und bitten Sie unser Angebot ernsthaft und sachlich zu prüfen, da der Erfolg des Projektes möglicherweise von Ihrer Entscheidung abhängt.

Wir bieten Ihnen exklusiv die Hauptrolle der Königin der Vampir-Roboter in unserem geplanten Spielfilm „Das Kabinett des Grauens“ an.

Der Film handelt von einem Geheimagenten der CIA, welcher auf geheimer Mission in den deutschen Bundestag geschickt wird und dort die erschreckende Entdeckung macht, dass sich hinter der Maske der FDP Gehirnfressende Zombie-Aliens und der CDU-CSU mordlustige Vampir-Roboter („Vampirobots“) verbergen, welche die Vernichtung der Menschheit vorbereiten. Nachdem aufgrund einer Verkettung von blutigen Zwischenfällen seine Geliebte, die Grünen Politikerin Claudia Roth (Hat noch nicht zugesagt!) von den Vampir-Robotern getötet wird, verbündet sich der Agent mit den Zombie-Aliens, um die Vampir-Roboter zu vernichten. In einem brutalen Gemetzel (In dem große Verwirrung entsteht, da Zombie-Aliens von Vampir-Robotern gebissen werden und sich in Zombie-Alien-Vampir-Roboter verwandeln) arbeitet sich der Agent durch die Reihen der Kreaturen, bis er zuletzt, auf dem Dach des brennenden Bundestages, der Königin entgegentritt.

In der Schlussszene würden dann Sie, Frau Doktor Merkel, als Königin der Vampir-Roboter am Höhepunkt des dramatischen Finalkampfes den Agenten, kurz bevor er Ihnen einen Pfahl durch das mechatronische Herz rammen kann, in den Hals beißen, ihm sein Blut aussaugen, wodurch er zu einem Willenlosen Soldaten Ihrer Vampir-Roboter-Armee wird und so die Schlacht entscheiden.

„Das Kabinett des Grauens“ (Arbeitstitel) wird das Genre des Polit-Splatterfilms revolutionieren!

Sollten Sie, verehrte Frau Doktor Merkel, Interesse an der Rolle haben, so lassen Sie es uns bitte baldigst wissen, so dass wir mit der Planung fortfahren können. Unser Konzept sieht eine Veröffentlichung des Films zeitgleich zur Bundestagswahl 2013 vor, da man auf diesem Wege Werbekosten einsparen könnte, wenn man den Film einfach im Rahmen des Wahlkampfes ihrer Partei erwähnen würde.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen,
Benedikt Sommer
(CAZAI Media AG, Stammwähler)

 



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Französisches Fondue

Posted on by bs

François frisst Fondue für Fünfzig Franc.

Laure lässt leider leckeres Lamm links liegen.
Skandalös sorglos sabotiert sie seinen Schmaus.
Da die Dame dennoch dinieren darf,
diskutieren die Dabeistehenden derbe darüber,
dass diese darauf drängt, diese Dummheit durchzusetzen.

Francois fragt freimütig:
Warum will wer was wohl weniger,
wenn wer wohl wirklich was wollen würde?
Könnte kalter Käse kulinarisch konkurrieren?
Kann köstliches Kalb keinen Kummer kurieren?

Sebastian sagt schmutzig schmunzelnd,
seine Schwester solle, so sie Solches sage,
sich sogleich selbst servieren.

Laure lacht lauthals.
Wortlos wird Wiehern Winseln, Winseln Weinen.
Tief Traurige Tränen tropfen trocken tischwärts.

So serviert Sebastian seiner Schwester sahnigen Schmelzkäs,
sodass sie sobald sich sammle, sowie Sorgen schwänden.
Dieser dämliche Dotter dürfte die doofe Dirne derweil dämpfen,
denkt der demütige Diener düster.

Final fällt François vom Futon.

 

(Studienarbeit „allterierte Prosa“, 2009)

 



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