{"id":902,"date":"2011-09-08T23:48:19","date_gmt":"2011-09-08T23:48:19","guid":{"rendered":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=902"},"modified":"2011-09-08T23:50:12","modified_gmt":"2011-09-08T23:50:12","slug":"digital-heading","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=902","title":{"rendered":"DIGITAL HEADING"},"content":{"rendered":"<p>Maximierte Effizienz, durch Arbeitsteilung<br \/>\n(Illustrativer Text zu bildnerischen Arbeiten)<\/p>\n<p>Bevor Sie etwas sagen, lassen Sie mich die Sache erkl\u00e4ren. Sie m\u00f6gen skeptisch, befremdet, vielleicht sogar verst\u00e4ndnislos reagieren, aber ich werde mein Bestes geben, es Ihnen zu erkl\u00e4ren, und den Versuch unternehmen, Sie zu begeistern.<\/p>\n<p>F\u00fchlen Sie nicht auch die Last der fleischlichen Beschr\u00e4nktheit?<\/p>\n<p>Aller irdischer Geist ist an die Begrenztheit seiner schw\u00e4chlichen K\u00f6rperlichkeit gefesselt. Die Gewichtigkeit der Materie behindert den freien Geist in seiner ungehemmten Entfaltung und schr\u00e4nkt ihn ein, in seinem Drang die Grenzen physikalischer Hindernisse zu \u00fcberwinden. Nach der Feststellung jener unbefriedigenden Sachlage artikuliert sich der Wunsch nach einer Befreiung des Geistes und seiner Emanzipation von der Schwere des Fleisches.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chten wir Ihnen unser Produkt vorstellen.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6gen sagen, das Problem ist altbekannt, doch nicht zu l\u00f6sen. Oder gar es handelt sich um eine Ur-Eigenschaft des menschlichen Seins, welche untrennbar mit der Eigenart des Menschseins verkn\u00fcpft ist, folglich deren L\u00f6sung den Menschen seiner Menschlichkeit beraubte? In diesem Sinne m\u00f6gen Sie vielleicht sogar sagen, das System von Geist und K\u00f6rper ist gar kein Problem?<\/p>\n<p>Lassen Sie mich trotzdem auf unser Modell eingehen und Sie von unserem revolution\u00e4ren Konzept \u00fcberzeugen. Ich verspreche Ihnen, am Ende meines Vortrages werden Sie diesen Raum inspiriert, mit erweitertem Horizont verlassen. Lassen Sie mich Sie einf\u00fchren in die Welt des Digital Headings.<\/p>\n<p>Das Problem wurde analysiert und die L\u00f6sung ist technischer Natur.<\/p>\n<p>Bei der Geschichte der technologischen Entwicklung handelt es sich zu gro\u00dfen Teilen um einen fortschreitenden Prozess, der Abspaltung des omnipotenten Geistes von seinem tr\u00e4gen K\u00f6rper. Ich denke dabei sowohl an fr\u00fche und moderne Kommunikationsmedien wie Buchdruck, Telegraphen oder das Internet, sowie an mechanische Erfindungen wie das Rad, das Automobil und dergleichen. Alle jene Errungenschaften dienen der Beschleunigung des menschlichen Geistes und die Menschheit hat auf diesem Wege bereits gro\u00dfe Erfolge verzeichnet.<\/p>\n<p>Nun ist es an der Zeit mit unserer bahnbrechenden Digital Heading Technologie den letzten Schritt auf diesem Weg zu beschreiten und damit eine neue \u00c4ra des freien Geistes einzuleiten.<\/p>\n<p>Das Schl\u00fcsselwort ist \u201eNano-Quanten-Transporting\u201c.<\/p>\n<p>Hinter diesem Terminus Technicus verbirgt sich das Ergebnis Jahrzehnte langer, wissenschaftlicher Laborforschung und es handelt sich grob gesagt, um die digitalisierte, delokalisierte Komplettierung organischer Systeme.<\/p>\n<p>Mit Hilfe von technischen Schnittstellen werden die organischen Funktionskreisl\u00e4ufe, wie beispielsweise der Blutkreislauf oder die Nervenstr\u00f6me in eine Art Nano-Quanten-\u201eCode\u201c transformiert, also in frei \u00fcbertragbare digitale Information umgewandelt und so die freie Demontage des menschlichen Organismus erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten sind grenzenlos!<\/p>\n<p>Durch einen kleinen chirurgischen Eingriff befreien wir Sie von der Last Ihres K\u00f6rpers. Unter Vollnarkose werden mit Hilfe von vollautomatisierten Pr\u00e4zisionslasern die Verbindungen zwischen Kopf und K\u00f6rper durchtrennt und die technischen Schnittstellen mit unserer NQT Technologie implantiert, konfiguriert und initialisiert.<\/p>\n<p>Wenn Sie aus der Narkose erwachen er\u00f6ffnet sich Ihnen eine neue Welt.<\/p>\n<p>Stellen Sie sich nun folgende praktischen Anwendungsszenarien vor: Der Rasen muss gem\u00e4ht, das Geschirr abgesp\u00fclt und das Baby gewickelt werden. Sie w\u00fcrden allerdings viel lieber Ihre E-Mails abrufen, Ihren Community-Status aktualisieren oder Ihr Lieblings Online-Rollenspiel starten? Mit DIGITAL HEADING m\u00fcssen Sie sich nicht mehr entscheiden, Sie k\u00f6nnen alles tun.<\/p>\n<p>\u00dcberlassen Sie die l\u00e4stige Hausarbeit doch einfach Ihrem K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Mit Hilfe Ihres K\u00f6rpers platzieren Sie Ihren Kopf auf den im Paketumfang enthalten HeadHUB, welcher per USB Steckverbindung mit Ihrem Computer verbunden ist. Modernste Sensoren lassen Sie nun Ihren Computer allein mit der Kraft Ihrer Gedanken bedienen, ohne antike Bedienelemente, wie Maus oder Tastatur. Ihren K\u00f6rper schicken Sie los, die unliebsame k\u00f6rperliche Arbeit zu verrichten. Totale Kontrolle via NQT Technologie.<\/p>\n<p>Wie Sie sehen sind praktischer Nutzen und Zeitersparnis grandios und entkr\u00e4ften jegliche Kritik.<\/p>\n<p>Oder stellen Sie sich vor, w\u00e4hrend Sie im B\u00fcro arbeiten, arbeitet Ihr K\u00f6rper zuhause im Garten. So bleibt er gesund und braungebrannt und der heimische Garten kann sich wieder sehen lassen. Oder Sie schicken Ihren K\u00f6rper zur Arbeit in einen Zweitjob \u2013 und verdienen doppelt!<\/p>\n<p>DIGITAL HEADING ist die Technologie der Zukunft. Vielleicht verdient Ihr Nachbar mehr, weil er sich bereits f\u00fcr unser Produkt entschieden hat. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit und profitieren Sie, als einer der Ersten!<\/p>\n<p>DIGITAL HEADING \u2013 Maximierte Effizienz, durch Arbeitsteilung.<\/p>\n<p>Nun am Ende meines Vortrags hoffe ich nat\u00fcrlich ich konnte Sie \u00fcberzeugen und f\u00fcr unser Produkt gewinnen. Sehen Sie die Chancen die Ich in dieser Technologie sehe. Verstehen sie die unglaublichen M\u00f6glichkeiten die sich auftun. Erleben Sie die Zukunft im 21.Jahrhundert.<\/p>\n<p lang=\"it-IT\">D I G I T A L H E A D I N G<\/p>\n<p>Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit haben wir leider kein Zeitfenster \u00fcbrig f\u00fcr R\u00fcckfragen Ihrerseits. Wenn Sie Fragen haben, dann lesen Sie unsere Brosch\u00fcre, besuchen Sie unsere Internetseite oder nehmen Sie an einem der zuk\u00fcnftigen Vortragstermine teil.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>(Applaus)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herr K. konnte sich an jedes Wort erinnern. Die Stimmung im Saal war phantastisch gewesen. Begeistert hatten er und die anderen Zuh\u00f6rer dem Referenten zugeh\u00f6rt und als er seinen Vortrag beendet hatte, war er unter tosendem Applaus von der B\u00fchne gegangen.<\/p>\n<p>Befl\u00fcgelt von der Euphorie im Raum hatte er sich gleich zu einer Operation gemeldet. Er kannte das Problem des beschr\u00e4nkten Geistes zu gut und war es Leid. Das Konzept schien die Antwort auf die Probleme seiner Zeit und verk\u00fcndete den Aufbruch zu einer besseren Zukunft. Herr K. folgte dem Ruf.<\/p>\n<p>Nun sa\u00df er da und hatte tiefe Trauer in den Augen.<\/p>\n<p>Wo war der Fehler gelegen? Er wusste es nicht, er hatte das Handbuch nicht gelesen. Aber vermutlich war auch im Handbuch nichts dazu zu finden. Viel musste man nicht wissen, es war alles einfach. Benutzerfreundlich, Plug &amp; Play, Keiner liest Handb\u00fccher.<\/p>\n<p>Aber irgendwas funktionierte nicht. Sein K\u00f6rper sa\u00df auf dem Bett und sah ihn kopflos an. Herr K. konnte ihn sehen, aber er sp\u00fcrte ihn nicht mehr, wie es die DH Technologie ihm doch erm\u00f6glichen sollte. Was hatte er falsch gemacht? Er wusste es nicht.<\/p>\n<p>Herr K. sah sich selbst sitzen. Sein K\u00f6rper sa\u00df am anderen Ende des kleinen, dunklen Zimmers auf dem Bett, w\u00e4hrend er, also sein Kopf, auf dem Tisch vor dem Computer lag. Jegliche Verbindung schien gekappt. Er konzentrierte sich, unternahm ein weiteres Mal den Versuch seinen Gliedern zu befehlen, doch vergebens. Keine Reaktion, nur der traurige, kopflose Blick. H\u00e4ngende Arme, leere H\u00fclle.<\/p>\n<p>Es musste etwas schief gegangen sein, als er andocken wollte. Er, oder besser sein K\u00f6rper, war vermutlich \u00fcber irgendetwas gestolpert, als er gerade behutsam den Kopf auf den HUB legen wollte, hatte das Gleichgewicht verloren und das Ungl\u00fcck geschah.<\/p>\n<p>Es hatte einen lauten, dumpfen Schlag getan, dass ihm der Kopf schwirrte. Der Aufprall hatte genau die Schnittstelle seiner NQT Mechanik getroffen, seine Neurotransmitter hatten einen kurzen Moment verr\u00fcck gespielt, danach war es still. Es war kurz so gewesen, als k\u00f6nne Herr K. jede einzelne Zelle seines K\u00f6rpers so deutlich f\u00fchlen, wie niemals zuvor. Danach sp\u00fcrte er nichts mehr.<\/p>\n<p>Perplex musste er daraufhin mit ansehen, wie sein K\u00f6rper scheinbar unter Schock, alter Gewohnheit folgend, aufstand, komischerweise einen kurzen Moment wirkte, als w\u00fcrde er sich im Zimmer umsehen, und dann zum Bett ging, wo er sich setzte. \u201eKonditionierte Mechanismen\u201c vermutete der Kopf von Herrn. K, w\u00e4hrend er sich dem Ernst der Lage scheinbar noch nicht bewusst war.<\/p>\n<p>Die NQT Technologie erm\u00f6glichte nicht nur die Befehligung des eigenen K\u00f6rpers, sie verband Herrn K. auch mit seinen lebensnotwendigen Organen. Alles wurde in Code umgewandelt, digitalisiert, und dann transferiert. Da er immer noch lebte und sich dar\u00fcber Gedanken machte, konnte die Verbindung nicht komplett abgerissen sein. Ganz ohne atmende Lungen, ein schlagendes Herz, einen Puls, ohne Blutzirkulation w\u00e4re er wohl schon nicht mehr bei Bewusstsein. Er w\u00e4re l\u00e4ngst nicht mehr am Leben. Er w\u00e4re tot.<\/p>\n<p>Aber wenn die Schnittstellen besch\u00e4digt waren, wie lang w\u00fcrden sie noch funktionieren?<\/p>\n<p>Herr K. befand sich in der traurigen Situation eines vollkommen hilflos Wartenden. Er wartete auf sein Ende. Krampfhaft sann er nach einer L\u00f6sung, einem Ausweg. Was sollte er tun? Faktisch gab es nichts das er h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. Denken und Warten, darauf war sein Handlungsspektrum reduziert worden. So wartete er und dachte.<\/p>\n<p>Was nutzt der unartikulierte Gedanke?<\/p>\n<p>Herrn K.\u2019s kopfloser K\u00f6rper blickte melancholisch vom Bett her\u00fcber. Er schloss die Augen und eine Tr\u00e4ne rann \u00fcber seine Wange. Er konnte sein Gesicht bewegen. Die Erkenntnis traff ihn, wie ein Schlag. Lange hatte er nicht gesprochen, doch jetzt war die Zeit gekommen seine Stimme zu erheben und er setzte zu einem lauten, verzweifelten Hilferuf an: \u201cHHHIIILLLFFFF&#8230;\u201c.<\/p>\n<p>Niemand hatte seinen halben Hilferuf geh\u00f6rt. Niemand war nahe genug gewesen, um mitzubekommen, wie sein Schrei noch vor der zweiten Silbe verendete. Die Anstrengung musste dem NQT den Rest gegeben haben. Zuviel Information, zuviel Anspannung f\u00fcr ein besch\u00e4digtes Ger\u00e4t. Das Signal versiegte und Herr K. war tot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Stille)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mann in Appartement leblos aufgefunden<\/p>\n<p>In der Nacht zum vergangen Dienstag wurde der Leichnam eines Mannes in seinem Zimmer von Beamten der Polizei aufgefunden. Nachdem der Mann offensichtlich seiner Arbeit nicht mehr nachgegangen und auch nicht erreichbar gewesen war, hatte sein Arbeitgeber die Polizei verst\u00e4ndigt. Nach ergebnislosem Klingeln und Rufen hatten sich die Beamten gewaltsam Zugang zur Wohnung verschafft und dort den bereits Tage zuvor Verstorbenen, in seinem Arbeitszimmer vor seinem Computer aufgefunden.<\/p>\n<p>Mit Ausnahme kleinerer Sch\u00fcrfwunden wurden keine \u00e4u\u00dferen Verletzungen festgestellt, so dass ein Gewaltverbrechen vermutlich ausgeschlossen werden kann. Klarheit \u00fcber die Todesursache soll eine medizinische Untersuchung des Leichnams bringen. Die Ermittlungen dauern an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(work comes out of work, 2009)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maximierte Effizienz, durch Arbeitsteilung (Illustrativer Text zu bildnerischen Arbeiten) Bevor Sie etwas sagen, lassen Sie mich die Sache erkl\u00e4ren. 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