{"id":274,"date":"2011-06-02T11:03:41","date_gmt":"2011-06-02T11:03:41","guid":{"rendered":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=274"},"modified":"2011-06-03T13:32:11","modified_gmt":"2011-06-03T13:32:11","slug":"hans-im-gluck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=274","title":{"rendered":"Hans im Gl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig12.jpg\" alt=\"\" title=\"hig12\" width=\"464\" height=\"640\" class=\"alignnone size-full wp-image-268\" srcset=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig12.jpg 464w, http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig12-217x300.jpg 217w\" sizes=\"(max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><\/p>\n<p>Es war einmal ein junger, fr\u00f6hlicher Bursche namens Hans.<\/p>\n<p>Nachdem er die Jahre der Lehre abgeschlossen hatte, trat er vor den Meister und dieser sprach: \u201eDu warst mir ein guter Lehrling, Hans. Hast nicht harte Arbeit gescheut, warst mir ein zuverl\u00e4ssiger und t\u00fcchtiger Helfer, so dass ich stets mit dir zufrieden war. Nun hast du die Lehre hinter dich gebracht, und ich will dich anst\u00e4ndig, wie es dir geb\u00fchrt, f\u00fcr deine M\u00fchen entlohnen.\u201c So sprach der Meister, \u00fcbergab Hans einen gro\u00dfen Klumpen Gold und entlie\u00df ihn in die weite Welt, auf dass er seinen Weg finden m\u00f6ge.<\/p>\n<p>So begann Hans seine Wanderung, fr\u00f6hlich pfeifend, mit dem Goldklumpen in der Tasche. Die Sonne schien freundlich auf sein Haupt, die V\u00f6gel sangen, und ihm lachte das Herz. Die Arbeit hatte ihm Freude bereitet, und nun hatte er ausgelernt und war reich entlohnt worden. Er war gl\u00fccklich und zufrieden, war nun ein freier Mann und hatte reichlich Gold in der Tasche, und so zweifelte er nicht an einer rosigen Zukunft und dass das Leben es mit ihm gut meinte.<\/p>\n<p>Bereits kurze Zeit sp\u00e4ter stand die Sonne im Zenit und brannte erbarmungslos auf die Landstra\u00dfe hernieder, so dass Hansen der Schwei\u00df von der Stirn perlte. Der Goldklumpen wurde von Schritt zu Schritt schwerer und schmerzte ihm Schulter und R\u00fccken und er begann ihn fortzuw\u00fcnschen, dass er ihn nicht l\u00e4nger schleppen m\u00fcsse. Da kam pl\u00f6tzlich ein gro\u00dfer, schwarzer Wagen des Weges, drosselte seine Geschwindigkeit und kam neben Hansen zum stehen. Wie von Zauberhand senkte sich die get\u00f6nte Fensterscheibe und das freundliche, aufgequollene Gesicht eines Mannes erschien im Inneren des Wagens. Er sprach: \u201eGott zum Gru\u00df, junger Wanderer! Wohin des Weges?\u201c \u201eHans ist mein Name. Ich habe meine Lehre beendet und der Meister gab mir einen gro\u00dfen Goldklumpen, der so schwer ist, dass er mir den R\u00fccken schmerzt.\u201c Der Mann im Wagen merkte auf: \u201eEin gro\u00dfen Goldklumpen sagst du? So steig ein, ich will dich ein St\u00fcck mitnehmen, Hans.\u201c Voll Dank stieg Hans in den Wagen, und mit lautem Motorengeheul brausten sie davon.<\/p>\n<p>Die Landschaft jagte drau\u00dfen am Fenster vorbei, und Hans wurde beinah ein wenig flau im Magen, doch war er gl\u00fccklich, seine F\u00fc\u00dfe ausruhen zu k\u00f6nnen. Schon bald erreichten sie das n\u00e4chste Dorf, und der Mann lenkte den Wagen zu einem gro\u00dfen, sch\u00f6nen Haus mit herrschaftlicher Anmutung und allerlei Zierwerk an der Fassade. \u201eEinen Goldklumpen schleppen,\u201c so sprach der Mann, \u201eist wahrlich eine unn\u00f6tige Plackerei, welche wohl keinem Menschen gut bekommt. Hier wohnt ein Freund von mir, welcher dir helfen kann. Sende ihm meine Gr\u00fc\u00dfe!\u201c Hans bedankte sich aufrichtig f\u00fcr die Hilfe seines neugewonnenen Freundes und betrat das sch\u00f6ne Haus durch die gro\u00dfe Eingangst\u00fcr. Es freute ihn, einen so netten Menschen getroffen zu haben, und er war gespannt, was ihn wohl nun als N\u00e4chstes erwarte.<\/p>\n<p>Im Inneren war das Haus ebenfalls sehr sch\u00f6n. Boden und S\u00e4ulen waren aus wei\u00dfem Marmor und meisterhafte Gem\u00e4lde schm\u00fcckten die W\u00e4nde. Ein dicker Mann mit einem Schnauzbart kam freundlich und einladend auf Hans zu und hie\u00df ihn willkommen. Hans gr\u00fc\u00dfte, und der dicke Mann fragte untert\u00e4nig, wie er ihm wohl dienen k\u00f6nne. \u201eHans ist mein Name. Ich habe meine Lehre beendet und der Meister gab mir einen gro\u00dfen Goldklumpen, der so schwer ist, dass er mir den R\u00fccken schmerzte. Doch dann kam ein Freund mit einem gro\u00dfen schwarzen Wagen und war so nett, mich hierher zu bringen. Er sagte, ich solle euch seinen Gru\u00df bestellen und man w\u00fcrde mir hier gerne helfen.\u201c Der dicke Mann strahlte und bot Hans einen Stuhl, so dass er sich erst einmal setzen m\u00f6ge und man in Ruhe dar\u00fcber sprechen k\u00f6nne. Dankbar nahm Hans Platz, und der Mann begann zu sprechen.<\/p>\n<p>Die Reden des dicken Mannes gefielen Hans gut. Mal sprach er mit lauter, donnernder Stimme, dann wieder leise, beinahe and\u00e4chtig. Hier und da erwartete er Hansens Zustimmung, die dieser gerne gab, und dann fuhr er fort mit seinem kunstvollen Vortrag. Hans war gefesselt und lauschte gespannt, obgleich er nicht verstand, worum es dem Mann ginge und wohin seine Reden f\u00fchrten, da er viele W\u00f6rter gebrauchte, die Hans noch nie geh\u00f6rt hatte. Doch wollte er nicht fragen, um den Mann nicht zu verstimmen. Der Mann sprach so begeistert und wahrlich gekonnt, dass Hans es nicht \u00fcber sich gebracht h\u00e4tte, seine Darbietung durch eine Zwischenfrage zu st\u00f6ren. Auch wollte er seine eigene Unwissenheit verbergen, um nicht in der Achtung des Mannes zu sinken, woraufhin dieser wom\u00f6glich keine Lust mehr h\u00e4tte, sich weiter zu unterhalten.<\/p>\n<p>So sprach der Mann eine gute Stunde, bis er schlie\u00dflich zum Ende gekommen schien und Hans bat, seinen Namen auf eine gro\u00dfe Menge Papiere zu schreiben. Dieser tat, wie ihm gehei\u00dfen und war \u00fcberrascht, als er danach gebeten wurde, nun den Goldklumpen auszuh\u00e4ndigen. Erschrocken tat er auch dies und erhielt zum Ausgleich ein kleines goldenes K\u00e4rtchen mit seinem Namen darauf. Immerfort freundlich auf ihn einredend, schob der dicke Mann ihn zur T\u00fcr, und schon fand er sich drau\u00dfen wieder, vor dem sch\u00f6nen Haus, mit nichts weiter als dem kleinen Goldk\u00e4rtchen in der Hand.<\/p>\n<p>\t&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig11.jpg\" alt=\"\" title=\"hig11\" width=\"377\" height=\"520\" class=\"alignnone size-full wp-image-267\" srcset=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig11.jpg 377w, http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig11-217x300.jpg 217w\" sizes=\"(max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><\/p>\n<p>Doch war er gl\u00fccklich, den unbequemen, schweren Klumpen loszusein, steckte das K\u00e4rtchen in seine Tasche und machte sich erneut auf den Weg in die weite Welt. Es war mittlerweile schon Nachmittag geworden, und ihm knurrte der Magen, da er seit dem Fr\u00fchst\u00fcck nicht gegessen hatte. So betrat er gleich die n\u00e4chste Gastst\u00e4tte und bestellte sich ein gro\u00dfes St\u00fcck Fleisch mit reichlich Beilagen und dazu den besten Wein des Hauses. Er a\u00df sich satt und trank den guten Wein, bis es drau\u00dfen bereits zu d\u00e4mmern begann. Der Wirt fragte ihn freundlich, ob es ihm geschmeckt habe und Hansen lobte seine fabelhafte K\u00fcche. Als er dem Wirt nun jedoch sein kleines Goldk\u00e4rtchen zeigte, war dieser gar nicht mehr so freundlich und meinte, Hansen k\u00f6nne damit nicht zahlen. Wie Hans darauf erschrocken erwiderte, er habe nur mehr jenes K\u00e4rtchen, wurde der Wirt w\u00fctend und schrie: \u201eDu kommst in meine Wirtschaft und speist wie ein K\u00f6nig, trinkst meinen besten Wein und kannst nicht f\u00fcr die Zeche aufkommen? Ich werde dir Beine machen, dreckiger Landstreicher!\u201c Seine gro\u00dfe Faust traf Hansen schmerzlich an den Kopf, so dass dieser im hohen Bogen vom Stuhl fiel. Kaum hatte er sich aufgerappelt musste er schon weitere Tritte und Hiebe einstecken, welche ihn gewaltsam zur T\u00fcr und hinaus auf die Stra\u00dfe bef\u00f6rderten. Dort fing er an zu laufen und h\u00f6rte noch aus der Ferne das drohende Gebr\u00fcll des rasenden Wirtes. Blut tropfte ihm aus seinen Wunden und sein Sch\u00e4del dr\u00f6hnte.<\/p>\n<p>Es war Nacht geworden, und Hans schleppte sich w\u00fctend zu dem sch\u00f6nen Haus des dicken Mannes mit dem Schnauzbart, der ihn offensichtlich betrogen hatte. Dort angekommen, fand er die T\u00fcr verschlossen und die Fenster dunkel. Er klopfte und rief, doch keiner antwortete. Von ferne h\u00f6rte man Donner, es begann zu regnen und ein k\u00fchler Wind setzte ein. Seine Wunden schmerzten ihn sehr, und er begann zu frieren. Kraftlos sank er vor der gro\u00dfen Eingangst\u00fcre des sch\u00f6nen Hauses nieder und begann bitterlich zu weinen. Was war geschehen? Noch heute morgen war er gl\u00fccklich gewesen und jetzt lag er hier am Boden, verwundet und allein. Traurig hallten seine Schluchzer in die dunkle Nacht hinaus.<\/p>\n<p>Bereits nach kurzer Zeit sah er einen Wagen die Stra\u00dfe entlang kommen und direkt vor ihm anhalten. Zwei gro\u00dfe, uniformierte M\u00e4nner mit kantigen, unfreundlichen Gesichtsz\u00fcgen kletterten aus dem Wagen und stellten sich vor den am Boden liegenden Hans. \u201ePersonenkontrolle. Kann ich mal den Ausweissehen?\u201c fragte der eine mit harter, befehlender Stimme. \u201eIch bin Hans. Ich habe meine Lehre beendet, und der Meister gab mir einen gro\u00dfen Goldklumpen, der so schwer war, dass er mir den R\u00fccken schmerzte. Danach brachte mich ein netter Mann in einem gro\u00dfen, schwarzen Wagen hierher zu diesem Haus und ein dicker Mann mit einem Schnauzbart war darin, der gab mir diese goldene Karte mit meinem Namen darauf.\u201c Hans suchte in seiner Tasche, doch sie war leer. Er musste die Karte \u00fcber die Rauferei in der Wirtschaft vergessen haben. \u201eDer dicke Herr,\u201c stammelte Hans, \u201eer muss mich betrogen haben, weil der Wirt mich schlug, wie ich das Essen nicht bezahlen konnte!\u201c K\u00fchl blickten die Polizisten auf ihn herab. Pl\u00f6tzlich z\u00fcckte der eine seinen Schlagstock und schlug Hansen so fest, dass man mit lautem Knacken seine Knochen brechen h\u00f6ren konnte. \u201eDer Herr mit dem Schnauzer ist mein Bruder, du Lump. Pass auf, wen du einen Betr\u00fcger nennst!\u201c schrie der Polizist. Hans erwiderte nur mehr ein leises, kraftloses Wimmern, spuckte einen Schwall Blut und verlor das Bewusstsein.<\/p>\n<p>Am anderen Morgen erwachte Hans, als ein warmer Sonnenstrahl durch das Zellenfenster auf sein Gesicht fiel. Seine Wunden waren verkrustet, und er f\u00fchlte sich wie ger\u00e4dert. Mit einem lauten, metallischen Ger\u00e4usch ging die Zellent\u00fcr auf und zu seiner \u00dcberraschung trat der dicke Mann mit dem Schnauzer herein, doch Hans war zu ersch\u00f6pft um zornig zu sein. Das Gesicht des Mannes war ernst, als er Hans begr\u00fc\u00dfte: \u201eIch habe eine schlechte Nachricht, aber davon gleich.\u201c Er r\u00e4uspert sich und begann zu sprechen: \u201eDas Missverst\u00e4ndnis mit dem Wirt und meinem Bruder dem Polizisten, welche dich f\u00fcr einen armen Landstreicher gehalten haben, konnte ich nat\u00fcrlich aufkl\u00e4ren und dich erwartet also keine weitere Strafe. Der Wirt hat seine Anzeige zur\u00fcckgezogen und auch mein Bruder wird die Vorf\u00e4lle der letzten Nacht vergessen, so dass du keine Verurteilung f\u00fcrchten musst.\u201c Dies sagte der Mann mit ernster, aber beruhigender Stimme. \u201eDie schlechte Nachricht aber gilt deinen Anlagen. Der Dax ist letzte Nacht in den Keller gest\u00fcrzt, folglich haben deine Aktien gravierende Werteinbu\u00dfen hinnehmen m\u00fcssen. Es tut mir leid, junger Freund, aber du hast dich einfach verspekuliert.\u201c Hans sah den Mann ungl\u00e4ubig an. Besonders den Teil mit dem Dachs hatte er nicht verstanden, und was der Mann ihm nun genau mitteilen wollte, schien ihm ebenso schleierhaft. Allerdings war er sehr gl\u00fccklich, dass sich die Sache mit dem Wirt und dem Polizisten aufgekl\u00e4rt hatte. Er dankte dem Mann mit dem Schnauzer f\u00fcr seine Hilfe und verlie\u00df hinkend die Zelle.<\/p>\n<p>Drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe war er gl\u00fccklich, wieder frei zu sein und dass ihm Schlimmeres erspart geblieben war. Das Gehen fiel ihm schwer, die Schritte schmerzten, aber er war froh \u00fcber die schnelle Hilfe des Freundes. Auch wenn das Leben einem \u00fcbel mitspielt, so gibt es doch immer einen Funken Hoffnung, philosophierte er so vor sich hin. Ist die Welt auch krank und schlecht, und trachtet einen zu zerst\u00f6ren, so wird man doch nicht untergehen, wenn man nur ein paar liebe Freunde hat, sagte er sich selbst, und bei dem Gedanken war ihm gleich wohler.<\/p>\n<p>Just in dem Moment fuhr der gro\u00dfe, schwarze Wagen vorbei, so nah, dass er Hans in eine dunkle Wolke von Abgasen h\u00fcllte und dieser husten musste. Er winkte, doch der Freund schien ihn nicht gesehen zu haben, und der gro\u00dfe, schwarze Wagen verschwand in der Ferne und lie\u00df Hans allein am Stra\u00dfenrand zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Und so ging Hans seiner Wege, und wenn er nicht gestorben ist, dann tut er das noch heute.<\/p>\n<p>(Studienarbeit &#8222;M\u00e4rchenadaption&#8220;, 2009)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig13.jpg\" alt=\"\" title=\"hig13\" width=\"391\" height=\"640\" class=\"alignnone size-full wp-image-269\" srcset=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig13.jpg 391w, http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/hig13-183x300.jpg 183w\" sizes=\"(max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/><br \/>\n\t&nbsp;<br \/>\n\t&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein junger, fr\u00f6hlicher Bursche namens Hans. 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