{"id":1158,"date":"2015-05-05T10:28:49","date_gmt":"2015-05-05T10:28:49","guid":{"rendered":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=1158"},"modified":"2015-05-05T11:02:45","modified_gmt":"2015-05-05T11:02:45","slug":"1158","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=1158","title":{"rendered":"Zauberland &#8211; Das Reich der Musikanten"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/1164896305_f.jpg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"500\" height=\"394\" class=\"alignnone size-full wp-image-1166\" srcset=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/1164896305_f.jpg 500w, http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/1164896305_f-300x236.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br \/>\n(Sommer, 2005)<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\nJenseits der Welt der gew\u00f6hnlichen Dinge, der St\u00e4dte und Stra\u00dfen, der Autos und Maschinen, der Digitaluhren, Fahrscheinautomaten und Imbissketten, existiert eine zweite Welt, anders und herrlich, voller Liebe und Gl\u00fcck, deren Bewohner man gemein als &#8218;Musikanten&#8216; bezeichnet. Dies ist die Geschichte ihres Reichs. <\/p>\n<p>In jenem zauberhaften Land der Musikanten funktioniert das Leben nach anderen Mechanismen, als es die Menschen der normalen Welt aus deren Alltag gew\u00f6hnt sind. Es gibt keine Probleme, keine Schmerzen, kein Leid und keinen Kummer. Die Sonne scheint einfach immer und nie verdunkeln d\u00fcstere Wolken den Himmel. Alles ist permanent erleuchtet von tausend Regenb\u00f6gen, funkelnde Kristalle erhellen die Wege und die Luft ist erf\u00fcllt mit einem Duft von Blumen und Gl\u00fcckseligkeit. <\/p>\n<p>Niemals f\u00e4llt Regen, weshalb keiner der Musikanten jemals eine Regenjacke ben\u00f6tigt. \u00dcberhaupt steht jeglicher weltlicher Besitz zur Disposition und wird im Gro\u00dfen und Ganzen als Luxus und verderblicher Ballast angesehen, als fraglich, \u00fcberfl\u00fcssig, wom\u00f6glich sogar als verwerflich. Die Musikanten brauchen wenig bis gar nichts, zumindest an materiellen Besitzes. In Folge dessen ist ihre W\u00e4hrung eine andere und g\u00e4nzlich verschieden. Ihre H\u00e4user sind aus Tr\u00e4umen gebaut und ihre Nahrung besteht aus Liebe und sch\u00f6nen Ideen. Wo ein Arbeiter auf einen gewissen Stundenlohn bestehen muss, um seine weltlichen Verpflichtungen erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, beispielsweise das Bezahlen von Rechnungen oder die Versorgung seiner Familie, n\u00e4hrt sich der Musiker vom Applaus des Publikums und vom lieblichen Klang des Lachens der Kinder. Seine Skala ist schlicht eine andere. Er kennt nicht die Last der Verantwortung, bleibt stets frei und ungebunden, wie ein Vogel im Himmel. <\/p>\n<p>So wachsen ihre K\u00f6rper zu gro\u00dfen und starken Titanen und Titaniden heran, modelesk und unverwundbar, weil sie nicht von den synthetischen Giftstoffen der Industrie und der Wirtschaft ber\u00fchrt werden. Sie ben\u00f6tigen keine Krankenversicherungen, denn es gibt in ihrem Reich keine Krankheiten. Die wenige Kleidung, welche sie besitzen, dient lediglich zur Bedeckung ihrer Scham, denn das Klima ist stets angenehm warm und eine modische Selbstinszenierung w\u00e4re ihnen unangemessen. Zu gerne stellen sie ihre vollkommenen, athletischen K\u00f6rper zur Schau, wandeln in einer st\u00e4ndigen Aura pulsierender Erotik, als st\u00e4ndige Verhei\u00dfung des leidenschaftlichen Geschlechtsverkehrs, welchen sie unabl\u00e4ssig praktizieren. So fristen sie ihre Tage in nicht endenden Orgien, wilden Drogenexzessen und st\u00e4ndigem Rausch, stets in der Erf\u00fcllung ihrer Berufung, des richtigen Tons und der lieblichen Melodey, voller Freude und Unschuld. <\/p>\n<p>Ihre Sprache ist sinnfrei und unverst\u00e4ndlich, dennoch scheinen ihre Besuche den grauen Alltag der normalen Welt in einer rational nur schwer erfassbaren Weise zu befruchten und zu bereichern, und man ruft sie zu gern ihre Kunst und ihr Wesen zu teilen, um zu erfreuen, zu bezaubern und zu unterhalten. Gene belohnt man sie daf\u00fcr in der weltlichen W\u00e4hrung, wenn auch nur symbolisch und in geringem, leicht verschmerzbarem Umfang, da Geld f\u00fcr sie ohnehin keine Bedeutung hat. Die Musikanten wissen f\u00fcr gew\u00f6hnlich auch mit jenem symbolischen Obulus nicht umzugehen, zeigen sich wenig dankbar und geben das Erhaltene ebenso schnell wieder hinfort, wie sie es verdienten. Doch wie sollten sie auch ein Gef\u00fchl f\u00fcr den Wert von Geld, welches \u00fcblicherweise durch Quotienten von Arbeit und Zeit erwirtschaftet wird, erlangen, wo sich doch ihr Leben und ihre Welt von Schw\u00e4rmerei und Poesie speist? Die Sorgen von hart arbeitenden Menschen sind ihnen fremd, denn sie wandeln auf einer Wolke der Sorglosigkeit und betten sich in ein Blumenmeer herrlicher Phantasien, getragen von der grenzenlosen Allmacht der sch\u00f6nen K\u00fcnste. <\/p>\n<p>Der Gram \u00fcber hohe Benzinpreise ist ihnen fremd, denn sie besitzen keine Autos, sondern reiten auf Einh\u00f6rnern oder Pegasoi. Niemand bel\u00e4stigt sie mit Forderungen nach Steuerr\u00fcckzahlungen oder Rundfunkgeb\u00fchren, denn die Ordnung ihrer Welt speist sich aus der Liebe in der Luft und f\u00fcr die essentiellen b\u00fcrokratischen Strukturen hiesiger Art fehlt ihnen schlicht der zum Verst\u00e4ndnis notwendige Hirnlappen. Die erdr\u00fcckende Last von nur schwerlich begleichbarer Schulden ist ihnen g\u00e4nzlich unbekannt, den es gibt nichts im Reich der Musikanten, was nicht mit einem Kompensationsgesch\u00e4ft durch einen satirischen Vers oder eine leidenschaftliche Rhythmisierung zu begleichen w\u00e4re. Kapitalistisches Streben, die Anh\u00e4ufung von Reichtum, die Vorsorge f\u00fcr das Alter, alles Kategorien ohne Belang, ohne Relevanz, welchen man im Reich der Musikanten nur mit einem m\u00fcden G\u00e4hnen begegnet. Weniger spannend als Euphorie, Ekstase und von Schwei\u00df gl\u00e4nzende, erigierte Penisse und von Erregung und Fruchtbarkeit tropfende Vaginas, wie Diskurse um existentielle, philosophische Fragen zur Preisung und Verehrung eines wahren und endg\u00fcltigen Hedonismus. <\/p>\n<p>Uns, die wir in der realen, echten und nat\u00fcrlichen Welt der Dinge leben, scheinen jene Gesch\u00f6pfe und ihr eigenartiger Kosmos befremdlich, mit unter sogar be\u00e4ngstigend und unsere Ordnung gef\u00e4hrdend. Ihre Lebensart st\u00f6rt unseren Frieden und droht unsere Gesellschaft zu unterwandern, unsere Jugend zu verf\u00fchren und unsere sozialen Kassen zu schr\u00f6pfen. Wir genie\u00dfen die Besuche der Musikanten, doch ersehnen nach der Ausgelassenheit des Festes ihre baldige R\u00fcckkehr und danken Gott f\u00fcr jedes unzerbrochene Glas, jede ungeschw\u00e4ngerte Tochter und allgemein jede ungeschehene unsch\u00f6ne Spur des ausl\u00e4ndischen Besuches. Das gestillte Verlangen nach Andersartigem m\u00f6ge eine Weile anhalten und jene derweil fernbleiben, um die Ablenkung von tats\u00e4chlich Wichtigem zu vermeiden.<\/p>\n<p>Unsere kl\u00fcgsten Wissenschaftler haben aus diesem Grund eine Technologie entwickelt, welche es uns erlaubt, den Glanz des Reiches der Musikanten in unsere Welt einzulassen, wobei es gleichzeitig einer physischen Pr\u00e4senz ihrer Bewohner nicht l\u00e4nger bedarf. Kleine mechanische Englein, wunderwerke modernster Ingenieurskunst, von leistungsstarken Supercomputern gesteuert und von superfunktionsf\u00e4higen Mikroreaktorbatterien betrieben, saugen den Musikanten ihren kostbaren Lebensquell aus den kreativen Knochen und tragen ihn durch die L\u00fcfte \u00fcber die Grenze der beiden Reiche zu uns. Der gelieferte Rohstoff wird in speziellen Raffinerien angereichert und zur perfekt dosierten Abgabe an unsere anst\u00e4ndigen Staatsb\u00fcrger aufbereitet und portioniert. In seiner raffinierten Form haben wir der Substanz die technische Bezeichnung \u201eC234-F\u201c gegeben. Die empfohlene Dosierung basiert auf Werten der ber\u00fchmten soziologischen Studien unseres verehrten Doktor Loews, welche den durchschnittlichen Konsumenten in angemessenem Ma\u00dfe stimulieren, ohne dabei eine grundlegende Verschiebung seiner Arbeitsparameter zu bewerkstelligen. Aktuelle Werte belegen die gl\u00e4nzende und reibungslose Funktionsweise unserer Technologie, eine beispiellose Effizienz hinsichtlich der importierten G\u00fcter, bei gleichzeitig minimalen Nebenwirkungen oder gar sch\u00e4dlichen Begleiterscheinungen und die damit erlangte Autarkie unseres herrlichen Reiches. <\/p>\n<p>Nach jener empirisch-belegten Feststellung haben wir damit begonnen die Grenzen unseres Reiches zu sichern und gegen zuk\u00fcnftige Besuche aus dem Reich der Musikanten abzuschotten, um den Mechanismus weiter zu optimieren, sogar perfektionieren. Mit Mitteln des Verteidigungsetats wurde ein un\u00fcberwindbarer Grenzwall aus extrem widerstandsf\u00e4higem Nanoteflon errichtet, vollautomatische Laserraketen-Selbstschussanlagen sch\u00fctzen den Sicherheitsbereich und eine eigens abgestellte Spezialeinheit unserer Truppen \u00fcberwacht und kontrolliert zus\u00e4tzlich den gesamten Grenzbereich, womit jegliche unkontrollierte Immigration unm\u00f6glich gemacht wurde. Die Zahlen sprechen bereits die deutliche Sprache des Erfolges und das Parlament lobt die Ma\u00dfnahmen des gesamten Projektes mit wohlwollenden Worten. <\/p>\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei erw\u00e4hnt, dass die eingesetzten Ernteflugdrohnen nun bereits nach wenigen Monaten im Einsatz eine sinkende Gewinnspanne des gef\u00f6rderten C234-Fs verzeichnen. Der Ertrag entwickelt sich r\u00fcckl\u00e4ufig hinsichtlich der Quantit\u00e4t, wobei gleichzeitig die ben\u00f6tigte Zeit zur Gewinnung der Substanz steigt. Wie wir aus Daten unserer Aufkl\u00e4rungsdrohnen wissen, liegt die Ursache hierf\u00fcr an einer ebenfalls r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung der Lebenserwartung jener Musikanten, von welchen wir die Substanz gewinnen. Jene Entwicklung mag zun\u00e4chst alarmierend anmuten, doch unsere Spezialisten haben uns versichert, dass die gef\u00f6rderte Menge an C243-F bei konstanter Dosierung mit aller Wahrscheinlichkeit noch mindestens bis ins Jahre 2021 zur stetigen Versorgung unserer Bev\u00f6lkerung ausreichend sein wird, bevor der nicht mit Garantie zu erwartende Fall eintritt, dass bis zu diesem Zeitpunkt tats\u00e4chlich alle Musikanten gestorben sind und infolgedessen die Rohstoffgewinnung zum Erliegen kommt. Hierbei handelt es sich um hypothetische Hochrechnungen basierend auf aktuellen Zahlen, wobei deren konstante Entwicklung erst noch beobachtet werden muss.<\/p>\n<p>Unsere Wissenschaftler haben jedoch bereits erste Erfolge bei der Synthetisierung von C234-F und dessen gentechnischer Reproduktion im Labor erzielt. Die Prognose der Fertigstellung einer einfach zu reproduzierenden und kosteng\u00fcnstigen, k\u00fcnstlichen Alternative zum Wirkstoff C234-F bis zum Jahre 2021 scheint unseren Spezialisten durchaus realistisch und w\u00fcrde somit auch die zuk\u00fcnftige Versorgung der Bev\u00f6lkerung sicherstellen. Ob mit dem Synthetikum jedoch vergleichbare Effekte erzielt werden k\u00f6nnen, muss allerdings erst durch Versuchsreihen in der Praxis ermittelt werden.     <\/p>\n<p>(gezeichnet: Oberst Kahn, Sprecher der Republik)    <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Sommer, 2005) &nbsp; Jenseits der Welt der gew\u00f6hnlichen Dinge, der St\u00e4dte und Stra\u00dfen, der Autos und Maschinen, der Digitaluhren, Fahrscheinautomaten und Imbissketten, existiert eine zweite Welt, anders und herrlich, voller Liebe und Gl\u00fcck, deren Bewohner man gemein als &#8218;Musikanten&#8216; bezeichnet. &hellip; <a href=\"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/?p=1158\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1158"}],"collection":[{"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1158"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1158\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1162,"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1158\/revisions\/1162"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1158"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1158"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/cazai.de\/CAZZ422\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1158"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}